Solidarität mit Christian

23.04.2018

Bochumer Ex-Opelaner wehrt sich  gegen dritte Kündigung

Foto: Gero Helm
Christian Kowoll (41) zeigt seinen alten Opel-Dienstausweis. Der Band-Mitarbeiter hatte seine mittlerweile dritte Kündigung erhalten. Vor dem Landesarbeitsgericht hat er sich bislang zweimal erfolgreich gewehrt. Foto: Gero Helm

Stelle unter Vorbehalt angenommen

Damit ist die juristische Auseinandersetzung noch nicht beendet. Im Gegenteil: Sie hat eine neue Dimension erhalten. Der 41-jährige Industriemechaniker Kowoll hatte im November unter Vorbehalt den ihm von Opel angebotenen Arbeitsplatz in Rüsselsheim angenommen. Dort erhielt er am 8. Januar erneut eine Kündigung und wurde freigestellt. Auch gegen die dritte Kündigung klagt der Opelaner. Am 26. April treffen sich beide Parteien erneut vor Gericht – diesmal in Darmstadt.

Pikant ist diese Wendung deshalb, weil sich das Unternehmen, das Kowoll auf richterlichen Geheiß eine Stelle angeboten hatte, gezwungen sah, auf Verlangen des Rüsselsheimer Betriebsrats die Kündigung auszusprechen. Die Arbeitnehmervertretung hatte Opel über einen Anwalt aufgefordert, die Einstellung zurückzunehmen, weil Sorge bestehe, das sonst „im Betrieb beschäftigte Arbeitnehmer gekündigt werden oder sonstige Nachteile erleiden“, wie es im Schreiben der Kanzlei Baker McKenzie an die Opel-Personalabteilung heißt. Einem Leiharbeiter drohe die Kündigung, Jungfacharbeiter könnten sich auf die von Kowoll besetzte Stelle nicht bewerben.

Bochumer ist Mitglied der MLPD

Sorge gebe es auch deshalb, weil der Bochumer, ein Mitglied der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD), „den Betriebsfrieden durch grobe Verletzung“ der in Paragraf 75 Abs. 1 des Betriebsverfassungsgesetzes enthaltenden Grundsätze stören würde. Paragraf 75 Absatz 1 zielt ab auf „Grundsätze für die Behandlung der Betriebsangehörigen“. Zudem sei der Betriebsrat vor der Einstellung nicht gehört worden.

Tatsächlich hatte Opel in einem Schreiben vom 15. November den Betriebsrat aufgefordert, „der beabsichtigten Einstellung zuzustimmen“. Zwei Wochen später bestritt der Personalausschuss des Betriebsrats „die dringende Erforderlichkeit der Beschäftigung von Herrn Kowoll“. Während der ebenfalls um seine Einwilligung gebetene Betriebsratsvorsitzende der Opel Group Warehousing GmbH in Bochum, Murat Yaman, ein entsprechendes Schreiben unbeantwortet nach Rüsselsheim zurückschickte, „weil wir nicht zuständig sind“, so Yaman, positionierte sich der Rüsselsheimer Betriebsrat klar. Öffentlich äußern möchte er sich dazu nicht.

Uwe Baum, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, spricht von einer „Hetzkampagne“ und von „Anfeindungen“. Tatsächlich war in der Roten Fahne, dem Mitteilungsorgan der MLPD, zu lesen, „Uwe Baum und Murat Yaman machen sich zu Vollstreckern einer unterdrückerischen Personalpolitik“.

Hinweis zum oben stehenden Artikel der WAZ Bochum: Dass Christian Kowoll Mitglied der MLPD sei, ist eine Behauptung des stellvertretenden Rüsselsheimer Betriebsratsvorsitzenden Uwe Baum, die vom Kollegen Kowoll weder bestätigt noch dementiert wurde.


21.04.2018

Solidaritätserklärung der Konferenz der kämpferischen Arbeiter im Internationalistischen Bündnis mit Christian Kowoll

Sofortige Beschäftigung von Christian Kowoll durch Opel!
Christian Kowoll hat jahrelang zusammen mit seinen Kollegen gegen die Schließung von Opel Bochum gekämpft. Dabei hat er auch eine vorbildliche Gewerkschaftsarbeit gemacht. Weil er sich als Arbeiter seine Rechte nicht abkaufen ließ, verweigerte er nach der Schließung einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben und er erhielt zwei Änderungskündigungen. Gegen beide Kündigungen hat Christian mit Erfolg geklagt und ist bis heute Bochumer Opelaner, wird aber von Opel nicht beschäftigt. Dieser große Erfolg ist das Ergebnis davon, dass Christian sich niemals klein kriegen ließ und die ganze Solidarität seinrer Kollegen hat. Aks Christian vorläufig nach Rüsselsheim ging, um dort zu arbeiten, erhielt er dort im Januar die dritte Kündigung durch Opel. Es ist ein Skandal, dass der Betriebsrat seiner Einstellung widersprach und seine Entlassung forderte, weil Christian angeblich in der MLPD sei und die Kollegen zum Kampf auffordere.
Seit wann ist die vermutete Mitgliedschaft in einer linbken Arbeiterpartei Grund für Betriebsräte die Entlassung kämpferischer Arbeiter zu fordern?
Was soll daran falsch sein, die Kollegen zum Kampf aufzufordern in einer Situation, in der die ganze Konzernbelegschaft herausgefordert ist durch die Angriffe des PSA/Opel-Vorstands? Für die sofortige Beschäftigung von Christian in Bochum oder Rüsselsheim!

Einstimmig verabschiedet von den ca 90 Teilnehmern am 21.4.2018 in Hildesheim


28.03.2018

An die demokratische Öffentlichkeit, an gewerkschaftliche und betriebliche Gremien und an die Mitglieder der DGB-Gewerkschaften

Wer einen von uns angreift, der greift uns alle an! Solidarität mit Christian Kowoll im Kampf gegen seine Kündigungen

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren!

Mit diesem Brief möchten wir Euch und Sie informieren und um Solidarität bitten. Mittlerweile dreimal erhielt Christian Kowoll eine Kündigung durch den Vorstand von Opel. So wird versucht, einen kämpferischen Arbeiter und Gewerkschafter zu maßregeln: im Zuge der Schließung des Bochumer  Opel-Werks I lehnt er es bis heute ab, sich seinen Arbeitsplatz abkaufen zu lassen. Bereits zweimal hat das Landesarbeitsgericht Hamm seine Kündigung für unwirksam erklärt. Darüber setzt Opel sich hinweg und weigert sich weiterhin, ihn zu beschäftigen.

Nun wurde ein Skandal öffentlich, der das politische Ausmaß dieser Auseinandersetzung verdeutlicht. Die dritte Kündigung vom 8. Januar begründete Opel damit, dass der Rüsselsheimer Betriebsrat Christians Beschäftigung widersprochen habe, weil er einem Leiharbeiter bzw. Jungfacharbeiter den Arbeitsplatz wegnehmen würde und außerdem Mitglied der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) sei. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass Opel im ganzen Konzern Leiharbeiter entlässt und den Jungfacharbeitern eine Übernahme verweigert: seit wann ist die (ohnehin nur vermutete) Mitgliedschaft in einer linken Arbeiterpartei für Betriebsräte Anlass, die Entlassung eines Kollegen zu fordern? Der Rüsselsheimer stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Uwe Baum, der das Schreiben namentlich unterzeichnete, sowie der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Murat Yaman, der dieser Kündigung bewusst nicht widersprach, machen sich zum Vollstrecker einer unterdrückerischen Personalpolitik des Konzernvorstands.

Solidarität mit Kollegen, die sich in betrieblichen und politischen Auseinandersetzungen an die Spitze stellen, ist von jeher ein Grundsatz der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Das Vorgehen des Opel-Vorstands gegen Christian Kowoll muss entschieden zurückgewiesen werden. Deshalb dürfen auch die politischen Spaltungsversuche einzelner Betriebsräte keinen Spielraum haben. Solche Angriffe zielen niemals auf einen Kollegen allein, sondern sollen alle Arbeiter und Belegschaften einschüchtern. Das lassen wir nicht zu, und wir setzen auf die entschiedene Solidarität in den Gewerkschaften, Betrieben und durch die demokratische Öffentlichkeit.

Genauere Informationen haben wir in den angehängten Erklärungen vom 13. und 22. März 2018 zusammengefasst. Sie sind auch verfügbar auf der Internet-Seite offensivbochum.wordpress.com.

Wir freuen uns auf Eure und Ihre Solidaritäts- und Protesterklärungen!

Mit solidarischen Grüßen

Christian Kowoll

Steffen Reichelt (Betriebsrat bei Opel Bochum)

Bochum, 28.03.2018

180328 Brief an Öffentlichkeit zu Kündigungen von Christian Kowoll durch Opel


22.03.2018

Zweite Niederlage von Opel bei dem Versuch, Christian Kowoll zu kündigen!

Am Dienstag, 20. März, hat das Landesarbeitsgericht Hamm auch die zweite Änderungskündigung von Christian Kowoll durch die Opel Automobile GmbH für unrechtmäßig erklärt. Damit ist Christian nun mehr als drei Jahre nach der Schließung des Werks I in Bochum ungekündigt, obwohl Opel sich weiterhin weigert, ihn zu beschäftigen. Dieser erneute, großartige Teilerfolg ist Ergebnis seiner Unbeugsamkeit sowie der großen Solidarität und Unterstützung durch seine Kollegen und Freunde!

Zum Hintergrund: Christian Kowoll hatte es im Zuge der Bochumer Werkschließung abgelehnt, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Zusammen mit vielen anderen hatte er konsequent gegen die Schließung von Werk I gekämpft. Er war und ist bis heute nicht bereit, sich seine Rechte als Arbeiter abkaufen zu lassen, was er auch am Dienstag bei Gericht deutlich zu verstehen gab. Bei seiner damaligen Bewerbung auf die Ersatzarbeitsplätze im Zentrallager von Opel/Vauxhall in Bochum (ehemaliges Werk III) wurde er gezielt hintergangen; das hatte die 3. Kammer des LAG Hamm im November 2016 festgestellt. Die erste Änderungskündigung durch Opel vom Januar 2015, mit der Christian entweder ins Werk Rüsselsheim oder in die Arbeitslosigkeit gezwungen werden sollte, wurde vom LAG Hamm bereits für ungerechtfertigt erklärt. Die unmittelbar darauffolgende zweite Änderungskündigung sah das Gericht nun völlig zurecht als unzulässige Wiederholungskündigung an und erklärte auch sie für unwirksam.

Schon im Vorfeld dieses Gerichtstermins ereignete sich ein Skandal, der das ganze politische Ausmaß dieser Auseinandersetzung verdeutlicht. Vorbehaltlich der Entscheidung des LAG Hamm hatte Christian im vergangenen November die Arbeit im Opel-Werk Rüsselsheim aufgenommen – so, wie Opel es von ihm verlangt hatte. Am 8. Januar erhielt er dann dort eine dritte Kündigung. Noch unfassbarer als diese Tatsache allein ist die Begründung, dass diesmal der Rüsselsheimer Betriebsrat seiner Beschäftigung widersprochen habe, weil Christian Kowoll einem Leiharbeiter bzw. Jungfacharbeiter die Aussicht auf einen Arbeitsplatz wegnähme und außerdem Mitglied der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) sei. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass der Opel-Vorstand zur Zeit auf Druck der Groupe PSA im ganzen Konzern Hunderte Leiharbeiter entlässt und den Jungfacharbeitern eine Übernahme verweigert: seit wann ist die Mitgliedschaft in einer linken Arbeiterpartei, welche hier ohnehin nur unterstellt wird, für Betriebsräte Anlass, die Entlassung eines Kollegen zu fordern? Der Rüsselsheimer stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Uwe Baum, der das uns vorliegende Schreiben namentlich unterzeichnete, sowie der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Murat Yaman, der dieser Kündigung bewusst nicht widersprach und der bereits bei der Benachteiligung von Christian Kowoll in der Vergabe der Bochumer Ersatzarbeitsplätze federführend war, machen sich hier ganz offen zum Vollstrecker einer arbeiterfeindlichen, unterdrückerischen Personalpolitik des Konzernvorstands.

Gegen die dritte Kündigung hat Christian Kowoll selbstverständlich ebenfalls Klage erhoben, ein Kammertermin hierfür ist vor dem Arbeitsgericht Darmstadt am 26. April angesetzt.

Wir von der Betriebsratsliste OFFENSIV bei Opel in Bochum kennen und schätzen Christian Kowoll seit Jahren als kämpferischen und unbeugsamen Arbeiter und Gewerkschafter. Er kandidierte auf unserer Liste bei den Betriebsratswahlen 2014 auf dem Höhepunkt des Kampfs gegen die Werkschließung, wodurch er, wie andere unserer Kollegen auch, den ganzen Hass der Werksleitung und des Vorstands auf sich zog. Es war und ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass sein Kampf gegen die Kündigungen und für einen Arbeitsplatz in Bochum oder Rüsselsheim unsere gemeinsame Sache ist.

Für detailliertere Informationen, dokumentierendes Material und die Vermittlung eines persönlichen Gesprächs mit Herrn Kowoll bieten wir Ihnen gerne an, sich jederzeit mit uns in Verbindung zu setzen.

Steffen Reichelt und Oliver Wähnert

180322 Offensiv – Pressemitteilung zum Prozess Christian Kowoll gegen Opel


19.03.2018

180319 Erklärung MLPD zur Kündigung von Christian Kowoll


13.03.2018

Skandal: Betriebsratsspitze betreibt Entlassung von Christian Kowoll

Wir berichteten im vorletzten OFFENSIV-Flugblatt vom 24. Januar bereits über die erneute Kündigung unseres Kollegen Christian Kowoll. Was zuerst keiner glauben konnte, hat sich nun bestätigt: Die Kündigung erfolgte auf ausdrücklichen Antrag der Betriebsratsspitze in Rüsselsheim, namentlich des stellvertretenden BR-Vorsitzenden U. Baum, sicherlich aber nicht ohne Absprache mit Wolfgang Schäfer-Klug. Die Begründung (die OFFENSIV schriftlich vorliegt) ist eine skandalöse offene Diskriminierung: Christian sei Mitglied der MLPD, würde deshalb den sogenannten „Betriebsfrieden“ stören und außerdem einem Leiharbeiter-Kollegen den Arbeitsplatz wegnehmen! Unabhängig davon, wie man im Einzelnen zu OFFENSIV steht – dass Betriebsräte ihre Funktion missbrauchen, um aufgrund politischer Meinungsverschiedenheiten eine Kündigung durchzusetzen, statt Kündigungen zu verhindern – das kann kein Kollege dulden! Das muss Uwe Baum sofort öffentlich zurücknehmen und sich dafür rechtfertigen.

Christian verkörpert die Grundlinie von OFFENSIV, die ganzen Jahre konsequent um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz zu kämpfen und die Werksschließung nicht zu akzeptieren. Hier nochmal ein kurzer Rückblick: Christian unterschrieb 2015 den Aufhebungsvertrag nicht, wurde bei der Arbeitsplatzvergabe für Werk 3 benachteiligt, kämpfte vor Gericht erfolgreich gegen eine Änderungskündigung nach Rüsselsheim und erklärte sich dann im November 2017 vorbehaltlich der Gerichtsentscheidung bereit, in Rüsselsheim zu arbeiten – so wie Opel es wollte. Nach einigen Wochen Arbeit dort erhielt er am 8.1. die (nun dritte) Kündigung in Rüsselsheim, gegen die er ebenfalls selbstverständlich klagt. Nach dem Gütetermin wurde seinen Rechtsanwälten dann die Stellungnahme des stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden Uwe Baum mitgeteilt. Auch der Bochumer BR-Vorsitzende Murat Yaman ist involviert: als Vertreter des letzten Betriebsrats erhielt er am 15.12. den Antrag der Geschäftsleitung auf Kündigung von Christian und widersprach dem nicht. Auch informierte er den restlichen Betriebsrat nicht, was seine Pflicht gewesen wäre. Ein unterlassener Widerspruch gegen eine Kündigung innerhalb der Wochenfrist ist rechtlich gleichbedeutend mit einer Zustimmung. Murat, Betriebsräte sind dazu da, Kündigungen zu verhindern, nicht ihnen zuzustimmen, weil einem jemand vielleicht nicht gefällt! Oder hast du schon die Logik eines Schäfer-Klug und der Geschäftsleitung übernommen?

Wir fragen: Wie kommt Uwe Baum überhaupt auf den Vorwurf der MLPD-Mitgliedschaft? Wird jetzt jeder kämpferische Kollegen als MLPD-Mitglied abgestempelt und damit auch noch zum Freiwild erklärt? Man kann unterschiedliche Meinungen zur MLPD haben. Es gibt immer unterschiedliche Ansichten über den Kapitalismus und eine Alternative dazu. Darüber kann man sich in der Arbeiterbewegung solidarisch auseinandersetzen. Was die BR-Spitze aber betreibt, ist eine offene Unterdrückung anderer Meinungen. Die MLPD unterstützt auf jeden Fall seit über 20 Jahren den Kampf bei Opel und organisiert die Solidarität. Wer unter „Betriebsfrieden“ die vollständige Unterwerfung unter die Profitinteressen von PSA/Opel versteht, könnte sich natürlich gestört fühlen. Will die Betriebsratsspitze so die Kritik an ihrem Co-Management, an ihrer Unterwerfung unter die Profitlogik, abbügeln? Wenn Argumente ausgehen, war es schon häufig eine Methode, mit Mobbing gegen unliebsame Kolleginnen und Kollegen vorzugehen.

Gerade jetzt, wo PSA-Chef Tavares zum Angriff auf uns Arbeiter übergeht, schlägt sich die Betriebsratsspitze damit voll auf die Seite der Geschäftsführung, statt sich für den Zusammenschluss der Arbeiter aus allen Werken gegen die Angriffe des Vorstands einzusetzen. Der Kampf um jeden Arbeitsplatz und um die Übernahme aller Leiharbeiter steht auf der Tagesordnung. OFFENSIV kämpft in Bochum schon seit Jahren und aktuell im Bochumer Zentrallager aktiv um jeden Arbeitsplatz – auch gegen die Entlassung und schlechte Bezahlung von Leiharbeitern. Und dann soll ein Kollege, der in diesem Kampf vorne dran steht, verantwortlich sein für die Entlassung eines Leiharbeiter-Kollegen? Die Geschäftsführung entlässt die Leiharbeiter und betreibt Zwangsversetzungen von Eisenach und Gliwice nach Rüsselsheim und Bochum. Wer den Kampf dagegen spaltet, macht sich mitverantwortlich – und nicht derjenige, der den Kampf dagegen führt.

Für OFFENSIV war und ist die unverbrüchliche Solidarität mit diesen Kolleginnen und Kollegen Selbstverständlichkeit. Das entspricht auch dem gewerkschaftlichen Grundgedanken der Solidarität.

Wir fordern die sofortige Weiterbeschäftigung des Kollegen Christian Kowoll bei Opel!

Für Gewerkschaften als Kampforganisationen!

Macht mit bei OFFENSIV!

180313 Offensiv Pressemitteilung – Skandal: Betriebsratsspitze betreibt Entlassung von Christian Kowoll


08.03.2018


24.01.2018

Rechtswidrige Kettenkündigung von Opel gegen Christian Kowoll

Schon seit über drei Jahren wehrt sich Christian Kowoll mit unglaublichem Rückgrat gegen seine Kündigung nach der Schließung von Werk I. Mit Erfolg: im November 2016 hatte das Landesarbeitsgericht Hamm seine Kündigung für unrechtmäßig erklärt und bestätigt, dass Christian bei der „Sozialauswahl“ für die 245 Arbeitsplätze im Werk III betrogen worden war! Das interessiert Opel offenbar alles nicht, und sie sprachen eine erneute Änderungskündigung aus. Auch dagegen klagt Christian natürlich und hat nur unter Vorbehalt vorläufig seine Arbeit in Rüsselsheim angetreten. Sein nächster Prozess findet am 20. März 2018 in Hamm statt.

Jetzt der Hammer: Am 17. Januar bekam Christian eine dritte Kündigung mit Frist bis Ende August. Das sind rechtswidrige Trotzkündigungen! Offenbar hat Opel solche Angst vor einer erneuten Niederlage, dass die Konzernleitung nun alles versucht, um Christian durch Mobbing mürbe zu machen. Vergeblich! Auch gegen diese dritte Kündigung geht er natürlich vor. Auch sie wird keinen Erfolg haben, weil er dabei auf die volle Solidarität von OFFENSIV und vielen anderen Kollegen zählen kann! Wir fordern die Opel und die Opel Group Warehousing GmbH auf, dieses Mobbing sofort zu beenden und Christian endlich im Bochumer Lager zu beschäftigen!

Übrigens: Vor Gericht hat der Opel-Anwalt immer behauptet, sie könnten Christian gar keinen Arbeitsplatz im TuZ beschaffen, weil das ein rechtlich eigenständiges Unternehmen wäre. Wie lächerlich! Das hat Opel nicht davon abgehalten, ihm die dritte Kündigung aus Rüsselsheim durch zwei Mitarbeiter des Bochumer Werkschutzes persönlich überbringen zu lassen!


13.12.2016

Gericht entscheidet: Opelaner darf zurück an die Arbeit

WAZ Bochum, 13.12.16

 123602412-1380

Foto: Gero Helm

Christian Kowoll zeigt stolz das Gerichtsurteil des LAG Hamm vom 16. November Das Gericht hat ihm Recht gegeben.

Bochum.  Zwei Jahre nach der Werksschließung fühlt sich Christian Kowoll am Ziel. Ein Gericht bescheinigt ihm: Opel muss ihm wieder Arbeit geben.

Seit zwei Jahren ist das Werk schon geschlossen. Zu Ende ist die Geschichte von Opel und Bochum aber noch nicht. Christian Kowoll schlägt gerade sogar ein neues Kapitel auf. Nach seinem Erfolg vor dem Landesarbeitsgericht in Hamm ist der am 28. Januar 2015 gekündigte Industriemechaniker womöglich der einzige Ex-Ex-Opelaner aus dem Werk I in Laer.

Seine Kündigungsschutzklage endete vor dem LAG mit der richterlichen Feststellung, „dass das Arbeitsverhältnis durch die Kündigung nicht aufgelöst worden ist“. Kowoll, der am 1. September 1993 seine Ausbildung im Werk begonnen hatte, ist also weiterhin Opelaner. Der Autokonzern schuldet ihm ausstehende Lohnzahlungen und er muss, so LAG-Sprecher Johannes Jasper, ihm auch eine Beschäftigung anbieten.

Kündigung und Arbeitslosigkeit

Eine Entscheidung, die der 39-Jährige mit Genugtuung zur Kenntnis genommen hat. „Das ist meine Firma. Mein Vater und meine Oma haben schon bei Opel gearbeitet. Und das will ich auch weiter tun“, sagt der Mann, der sich vor der Werksschließung vergeblich um einen Arbeitsplatz in der damals noch von Neovia betriebenen Opel-Logistik bemüht und der ebenso wie etwa 50 weitere Opelaner den Sozialtarifvertrag nicht unterschrieben hatte. Die Folge: Kündigung und Arbeitslosigkeit.

Nachdem das Arbeitsgericht Bochum noch der Position des Arbeitgebers gefolgt war, gab nun nach der Berufung Kowolls die nächst höhere Instanz dem Arbeitnehmer Recht. Seine Bereitschaft zu arbeiten sei bei der Kündigung nicht ausreichend berücksichtigt worden, so der LAG-Sprecher.

Eine Einschätzung, die Opel offenbar akzeptiert. „Wir werden Herrn Kowoll selbstverständlich einen Arbeitsplatz an einem anderen Standort der Adam Opel AG anbieten“, kündigt Opel-Sprecher Alexander Bazio an.

Bochum kommt nicht in Frage

Bochum, das allerdings stellt Bazio unmissverständlich klar, komme dafür nicht in Frage. Denn: Die Klage Kowolls habe sich gegen die Adam Opel AG gewendet. Diese habe aber in Bochum kein Werk mehr, sondern nur das Tochterunternehmen Opel Warehouse Group, das in Langendreer in den ehemaligen Werken II und III die europaweite Verteilung von Ersatzteilen übernimmt.

Dort wollte Christian Kowoll, der immer noch seinen alten Opel-Werksausweis besitzt und der lange Zeit, wie er sagt, um das sterbende Werk I einen großen Bogen gemacht hat, eigentlich in Zukunft arbeiten. „Aber als ich mich in der vergangenen Woche dort bei der Personalchefin gemeldet habe, wurde mit dem Werksschutz gedroht.“ Die Erklärung aus Rüsselsheim zu dem Vorfall: Es sei die falsche Adresse gewesen, um seine Arbeitskraft anzubieten.

Revision ausgeschlossen

Nun muss sich zeigen, ob beide Seiten nach ihrem zwei Jahre schwelenden Streit eine Einigung finden oder beizeiten wieder vor Gericht stehen, wobei das LAG in der Kündigungsschutzsache eine Revision ausgeschlossen hat. Ein Jobangebot des Konzerns in Eisenach und Rüsselsheim hatte der Ex-Ex-Opelaner in der Vergangenheit mit Hinweis auf eine perspektivisch schlechtere Entlohnung abgelehnt. Als langjähriges Mitglied der IG Metall war er seit dem Streik 2004 in der selbsternannten Initiative für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit, der späteren Betriebsratsliste Offensiv, aktiv.

130 Prozesse beim LAG Hamm

In 130 Fällen standen sich seit dem 1. Januar 2014 Opelaner, Ex-Opelaner und die Adam Opel AG vor dem Landesarbeitsgericht Hamm in zweiter Instanz gegenüber. 51 mal waren zuvor Arbeitnehmer in Berufung gegangen, 79 mal die Arbeitgeber.

Nur in neun Fällen ging es bei den Verfahren um betriebsbedingte Kündigungen.


17.11.2016

Wichtiger Erfolg von Christian Kowoll

Nach dem skandalösen Widerruf des Vergleichs durch Opel (s. letzte Pressemitteilung) hat das LAG Hamm am gestrigen Mittwoch der Berufung von Christian stattgegeben und die Kündigung von Opel vom 28.01.2015 für unwirksam erklärt. Die Revision wurde nicht zugelassen.

Das ist ein ganz wichtiger politischer Erfolg, über den wir uns sehr freuen und für den wir Christian ganz herzlich gratulieren!

Damit ist zwar noch nicht abschließend geklärt, wie es für ihn weitergeht – aber er hat auch weiterhin natürlich unsere volle Solidarität! Wir werden weiter berichten.


08.11.2016

Das ist offene Diskriminierung eines kämpferischen Kollegen! Opel widerruft Vergleichsangebot vor dem LAG Hamm aus eindeutig politischen Motiven

Beim Berufungstermin von Christian Kowoll vor dem LAG Hamm am 26. Oktober 2016 hatte der Opel-Anwalt einem Vergleichsvorschlag des Richters zugestimmt, dem Kollegen Christian Kowoll zum 15. November einen Arbeitsvertrag für das Teile- und Zubehörlager (ehemals Opel-Werk III) in Bochum anzubieten.

Christian Kowoll hat, wie andere Kollegen auch, bis heute der Erpressung durch Opel beispielhaften Widerstand geleistet und im Zuge der Werkschließung einen Aufhebungsvertrag und den Gang in die Transfergesellschaft konsequent abgelehnt: „Ich verkaufe nicht meinen Arbeitsplatz für eine Abfindung – wir haben diese Werkschließung nie akzeptiert!“

Obwohl Opel ihm laut „Sozialtarifvertrag“ einen der Ersatzarbeitsplätze im Teile- und Zubehörlager hätte zuteilen müssen, wurde Christian – wie schon andere Kollegen zuvor – durch die Personalabteilung aussortiert, mit fadenscheinigen Vorwänden und aus rein politischen Gründen. Alle diese Ausreden seitens Opel (wie z.B. angeblich verspätete Bewerbung oder mangelnde Qualifikation) wurden vor dem LAG Hamm von Christian Kowoll und seinem Rechtsanwalt Frank Stierlin als Lügen entlarvt und überzeugend widerlegt. Der vorsitzende Richter schlug daraufhin einen Vergleich vor, nach dem Opel dem Kollegen einen Arbeitsvertrag bei der Opel Group Warehousing GmbH ab dem 15. November anbieten musste. Nach Rücksprache mit der Personalabteilung willigte Opels Rechtsanwalt ein, ließ sich aber vom Gericht eine Widerrufsfrist zusichern. Diese hat Opel nun genutzt und zog am 2. November die Zusimmung zu dem Vergleich zurück.

Dieses Verhalten ist nicht nur menschenverachtend angesichts von Christian Kowolls mittlerweile zweijährigem Kampf. Es ist vor allem auch ein politischer Skandal und wurde offensichtlich von höchster Stelle in der Konzernführung angeordnet! Während seit Monaten Schüler und Studenten als Hilfskräfte im Teile- und Zubehörlager beschäftigt, Arbeitszeitverlängerungen/Sonderschichten/Mehrarbeit verfahren und sogar neue Mitarbeiter eingestellt werden, soll ein kämpferischer Kollege, der beim Kampf gegen die Werkschließung immer mit in der der ersten Reihe stand und dafür mehrfach abgemahnt wurde, nun mit allen Mitteln aus dem Werk herausgehalten werden. Das ist nichts anderes als Diskriminierung aufgrund gewerkschaftlicher und politischer Betätigung.

Wir erklären erneut unsere volle Solidarität mit unserem Kollegen Christian Kowoll.

Wir fordern Adam Opel AG und Opel Group Warehousing GmbH auf, diese Diskriminierung umgehend zu beenden und dem Kollegen einen Arbeitsvertrag im Bochumer Teile- und Zubehörlager anzubieten – einschließlich Zahlung der seit Werkschließung ausstehenden Löhne und unter Beibehaltung seiner Betriebszugehörigkeit.

Die Urteilsverkündung durch das LAG Hamm erfolgt am 16. November um 8.55 Uhr, worüber wir zeitnah informieren werden.

Für Nachfragen und weitere Informationen stehen jederzeit gerne zur Verfügung.

Steffen Reichelt

(Betriebsrat der Liste Offensiv)

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